Mittwoch(t): Wenn drei Sekunden den Abend ruinieren

Basketball ist die beste Sportart der Welt. Ständig geht es das Feld rauf und runter, es gibt kaum Phasen, um zu verschnaufen. Kaum eine Führung ist sicher, ehe nicht das letzte Horn ertönt. Ein Team kann sieben Minuten vor dem Ende noch mit 60:72 zurückliegen und dennoch mit dem letzten Wurf die Chance auf den Sieg haben. Vor allem, wenn der Schütze bis dahin sechs seiner zwölf Versuche aus der Distanz verwandelt hat. Und Davis Bertans heißt.

Doch ist es genau dieser 13. Dreierversuch, der am Abend des 7. September 2023 sein Ziel knapp verfehlt. Die Nationalmannschaft behält denkbar knapp mit 81:79 die Oberhand und zieht ins Halbfinale der Weltmeister ein – der Rest der Geschichte ist bekannt.

Als der Jubel abgeebbt ist, alle Interviews gegeben sind, sich der Adrenalinspiegel gesenkt hat, fällt im Mannschaftsbus auf dem Weg ins Teamhotel endgültig die kollektive Anspannung ab. Es kann wieder gelacht werden. Ohne, dass dem Realismus die Tür vor der Nase zugeschlagen wird. „Die Stimmung wäre eine ganz andere, wenn er den letzten Wurf macht“, sagt Johannes Voigtmann.

Am Ende jedes objektiv betrachtet noch so attraktiven, noch so unterhaltsamen, noch so dramatischen Spiels geht jeweils nur eine Mannschaft siegreich vom Feld. Was eine Erinnerung daran ist, weswegen es sich immer lohnt, jede einzelne Sekunde einer Partie zu genießen. Wäre das WM-Viertelfinale eine schlechtere, weniger nervenzerreißendere Partie gewesen, wenn Bertans den Gamewinner für Lettland versenkt hätte? Garantiert nicht. Es ist die emotionale Komponente, die sich verschiebt.

Als Cameron Krutwig keine drei Sekunden vor dem Ende der Verlängerung den Pass  auf Tim Uhlemann spielt, ist dies die vorletzte Aktion einer packenden Begegnung. Eines Kräftemessens, in dem Phoenix zwischenzeitlich schon mit 15 Punkten führte. Eines Spiels, in dem der für eine anstrengende internationale Saison aufgestellte Niners-Kader sein Potenzial zeigte. Bei dem 44 Minuten und 57 Sekunden lang jedem Basketball-Fan das Herz aufgegangen sein dürfte. Weil beide Seiten sich die Chance auf den Sieg erarbeitet hatten. Weil hüben wir drüben Widerstände überwunden wurden. Weil es eben darauf hinauslief, dass der letzte Wurf die Entscheidung brachte.

Die Erkenntnis, dem Auswärtssieg sooo nah gewesen zu sein, lässt das miese Gefühl in der Magengegend nicht verschwinden. Was kein besserer Beleg dafür sein könnte, was Basketball mit uns macht – und genau darum der beste Sport der Welt ist.

Mittwoch(t)

Es gibt so viele Geschichten rund um Phoenix Hagen. Geschichten, die erzählt werden wollen. Die einen etwas anderen Einblick in den Club und die internen (Denk-)Prozesse geben. Aus dem Arbeitstitel „Mittwochs-Meinung“ entwickelte sich der „Statement Wednesday“ oder auch das „Wort zum Mittwoch“, und letztlich der Begriff „Mittwoch(t)“. Es ist der etwas andere Angang an Themen, welche das Phoenix-Office umtreiben.