Mittwoch(t): Ricky, das ewig junge Wunderkind

Wir mögen Würzburg. Wirklich. Das hat nicht einmal sportliche Gründe. Immerhin liegt das letzte Aufeinandertreffen mit den Franken bereits fast zehn Jahre zurück. Am 30.10.2016 ging das bis dato fünftletzte BBL-Spiel der Phoenix-Historie über die Bühne. Auch wenn David Bell seinerzeit brutale 31 Punkte und zwölf Assists auflegte, zogen die „Feuervögel“ gegen Jake Odum (Hand hoch, wer sich noch an ihn erinnert) – der mit 34 Zählern und je acht Boards sowie Vorlagen nur knapp am Triple-Double vorbeischlitterte – in der Ischelandhalle mit 89:99 den Kürzeren.

Ehrlich. Wir mögen Würzburg. Immerhin wechselte vergangenen Sommer mit Fabian Bleck ein „Hagener Jung“ vom Main zurück in die Heimat, nachdem er zuvor mit den Baskets bis ins Playoff-Halbfinale vorgedrungen war. Ihm folgen sollte im Verlauf der aktuellen Saison mit Ryan Schwieger ein vielseitiger Flügel, über den sie in Nowitzki-Town ausnahmslos Gutes zu berichten hatten.

Nochmal. Wir mögen Würzburg.

Unlängst absolvierten die Franken zwei Heimspiele binnen 72 Stunden, bei denen – teils durch die gelb-blaue Brille betrachtet – allerdings jeweils der Gegner im Fokus stand. Im packenden Frankenderby gegen Bamberg tauchte im Fanblock der „Freaks“, traditionell rot gekleidet und mit entsprechenden Utensilien ausgestattet, eine HAGEN-Fahne auf. So war Phoenix unverhofft oft in der Dyn-Übertragung bestens präsent, was Kommentator Florian von Stackelberg merkliche Pausen der Verwunderung in seinem sonst reibungslosen Redefluss abrang.

Das Highlight jedoch ereignete sich am Dienstagabend (03.02.2026) in der Basketball Champions League, als die Truppe von Coach Sasa Filipovski auf Joventut Badalona traf. Dass mit Cam Hunt ausgerechnet ein ehemaliger Würzburger den Gamewinner zum 85:83-Sieg der Iberer versenkte, setzte der nervenzerreißenden Schlussphase die dramaturgisch passende Krone auf. Doch vielmehr war es der Rest des Badalona-Kaders, der das Basketballer-Herz höher schlagen ließ. Und der perfekte Beweis dafür ist, welch absolute Hochkaräter in einem Wettbewerb wie der BCL unterwegs sind.

Ante Tomic, Adam Hanga, Ludde Hakanson … und vor allem: Ricky Rubio! Korrekt, jener spanische Point Guard, der immer noch aussieht ein kleiner Lausbube, der sich maximal daran erfreuen kann, dem Gegenspieler von hinten den Ball aus der Hand zu schlagen. Genau der Ricky Rubio, der mit seiner filigranen und eleganten Art jene goldene Generation dirigiert hat, die gefühlt jeden Sommer um einen internationalen Titel mitspielte. Weswegen in seinem Kinderzimmer eine Olympia-Silbermedaille (2008, Peking) an der Wand hängt, er sich zweifacher Europameister (2009, 2011) sowie Weltmeister (2019) nennen darf.

Rubio mit seinen mittlerweile 35 Lenzen auf hohem Level spielen zu sehen, tut auch deswegen der basketballerischen Seele gut, da der sich offen über die mentale Belastung des Profidaseins geäußert hat und seinerzeit bewusst den Schritt aus der NBA zurück in die spanische Heimat entschied. Bei Joventut schließt sich nun für ihn der Kreis. An jenem Ort, wo ihn einst anno 2008 das großartige SLAM Magazin besuchte, ihn gemeinsam mit Brandon Jennings aufs Cover packte und über das Duo bedeutungsschwanger „Future Shock“ titelte. Die Story über ihn selbst erhielt die Überschrift „El Prodigio“ – das Wunderkind. Damals war er noch ein Teenager. Einer, auf den plötzlich die gesamte Welt schaute, um ergründen zu wollen, wie gut er wirklich sein könne. Lang Whitaker, SLAM-Chefschreiber, durfte damals nicht persönlich mit Rubio sprechen, dafür aber still Mäuschen spielen und über das Gesehene berichten.

Fast so wie es all denjenigen ging, die an jenem Dienstagabend nicht in der Halle sein konnten, um einen der größten europäischen Point Guards aller Zeiten noch einmal live spielen zu sehen. Noch einmal vor der Mattscheibe sitzen, dem Basketball-Gott für dieses Geschenk des internationalen Wettbewerbs danken, und genießen, mit welch spitzbübischer Freude das ewig junge Wunderkind das Rad der Zeit zurückdrehte. Der einstige „Future Shock“ ist in der Gegenwart angekommen und ruft ins Bewusstsein, wie schnell 18 Jahre verfliegen.

Und wie gern auch wie wieder gegen Würzburg spielen möchten.

Die mögen wir nämlich. Wirklich.

Mittwoch(t)

Es gibt so viele Geschichten rund um Phoenix Hagen. Geschichten, die erzählt werden wollen. Die einen etwas anderen Einblick in den Club und die internen (Denk-)Prozesse geben. Aus dem Arbeitstitel „Mittwochs-Meinung“ entwickelte sich der „Statement Wednesday“ oder auch das „Wort zum Mittwoch“, und letztlich der Begriff „Mittwoch(t)“. Es ist der etwas andere Angang an Themen, welche das Phoenix-Office umtreiben.