Mittwoch(t): Für den Schriftzug auf der Brust und die Liebe zum Spiel

Das Königreich Bahrain verteilt sich auf einer Fläche von rund 750 Quadratkilometern über 33 kleine Inseln. Rund 1,5 Millionen Menschen leben dort, eingelassen in eine kleine Bucht im Persischen Golf. Doch im April 2026 sind rund zwei Dutzend seiner Einwohner ausgezogen, um in der Basketballwelt auf sich aufmerksam zu machen. Die landeseigene U18-Auswahl ist erstmals nach Mannheim gereist, um dort am Albert-Schweitzer-Turnier teilzunehmen. Und auch wenn die Schützlinge von Trainer Georgios Vovoras in den ersten Partien durchgehend unterlagen, stehen sie für genau das, was dieses Event so großartig, so einzigartig macht. In seiner 31. Auflage orientiert sich das AST nicht an Weltranglisten oder Ergebnissen vorheriger FIBA-Wettbewerbe.

Alle zwei Jahre kommen Teams nach Deutschland, die in dieser Konstellation und in diesem Alter wohl sonst nie aufeinandertreffen würden. Was gleichzeitig dem Publikum die Chance bietet einen Blick auf Spieler zu werfen, die ausschließlich durch den Schriftzug auf der Brust ihres Trikots und ihre Liebe zum Spiel motiviert sind. Wie einst Magic Johnson oder Vince Carter. Wie Nicolas Batum oder Dario Saric. Wie Franz Wagner oder Hassan Abdulkadir … dessen 27 Punkte und 19 Rebounds an jenem Mittwoch(t) jedoch nicht verhindern können, dass Bahrain mit 79:90 gegen Japan unterliegt.

Was einst als gemeinschaftliches Projekt des Deutschen Basketball Bundes mit den in der Region stark vertretenen Vereinigten Staaten begann, ist nach dem sukzessiven Abbau der Army Bases ganz in die organisatorische Hand des in Hagen ansässigen Verbandes übergegangen. Anno 2010 wurden zuletzt Spiele auf militärischem Gelände ausgetragen – inklusive bewaffneter Zugangskontrolle am Schlagbaum und reichlich BBQ, um die hungrigen Mäuler zwischen den Begegnungen zu stopfen. Immerhin der Grill hat die Zeit überdauert und steht nun vor der GBG-Halle am Herzogenried.

In der Halle wird geschwitzt, gerannt, gezockt. Das AST ist ein großes Klassentreffen für alle, die nicht bei Konkurrenzveranstaltungen der Basketball Champions League oder dem Nike Hoop Summit weilen (können). Die Erfolge der Herren-Nationalmannschaft in den vergangenen Sommern – ja, wir sind wirklich amtierender Welt- und Europameister – haben sicher dazu beigetragen, dass das öffentliche Interesse auch am Nachwuchs gestiegen ist. Wobei die Youngster durch EM-Gold mit der U18 (2024) sowie Silber bei der U19-WM (2025) selbst für reichlich Aufsehen gesorgt haben.

Wovon die aktuelle Generation der 2008 und 2009 Geborenen profitiert. Die Ränge sind trotz konstanter Aprilsonne bestens gefüllt, der DJ legt einen Hip Hop-Klassiker nach dem anderen auf, und Dusan Ilic sowie Darina Zraychenko schreiben an ihrer ganz eigenen Geschichte. Ersterer als von Hagen nach Bonn/Rhöndorf ausgewanderter Edelreservist unter Coach Alan Ibrahimagic, Zweitere als Teil der erstmals an einem Vier-Nationen-Turnier teilnehmenden weiblichen U18.

Ob die beiden eines Tages unter den Namen gelistet sind, die im kollektiven AST-Gedächtnis haften geblieben sind, wird die Zeit zeigen. In der Gegenwart genießen wir die Tatsache, dass die Volmestadt so prominent vertreten ist und der orangefarbene Freudenspender dafür sorgt, dass Menschen verschiedener Herkunft auf und abseits des Feldes zusammenkommen – völlig egal, ob sie von der Volme oder aus dem Persischen Golf stammen.

Mittwoch(t)

Es gibt so viele Geschichten rund um Phoenix Hagen. Geschichten, die erzählt werden wollen. Die einen etwas anderen Einblick in den Club und die internen (Denk-)Prozesse geben. Aus dem Arbeitstitel „Mittwochs-Meinung“ entwickelte sich der „Statement Wednesday“ oder auch das „Wort zum Mittwoch“, und letztlich der Begriff „Mittwoch(t)“. Es ist der etwas andere Angang an Themen, welche das Phoenix-Office umtreiben.