Mittwoch(t): Wir haben doch keine Zeit

Am besten wäre es, eine Aufgabe nach der anderen ganz in Ruhe angehen zu können. Mit einer Tasse Kaffee und guter Musik auf den Ohren. Was könnte da besser passen – noch dazu an einem Mittwoch(t) – als etwas von den neun Shaolin aus der 36. Kammer? Das würde auch inhaltlich stimmen. Ist doch so, dass Geld alles um uns herum regiert, oder? Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Das Telefon klingelt. Die Kollegen vom WDR. Interview-Anfrage für Coach Harris. Der erste Termin kam leider nicht zustande. Aber morgen könnte kurzfristig klappen. Per Videowall oder reicht’s telefonisch? So oder so: Bekommen wir irgendwie hin.

So, zurück zum Text. Der Kaffee ist mittlerweile kalt. Und die Wasserflasche auch fast leer. Dafür drückt die Blase. So lässt sich nicht schreiben.

Ok, also eine kurze Unterbrechung. Die Muse ist ganz bestimmt gut gelaunt und hat noch einen zweiten Kuss übrig. Irgendwann im Laufe des Tages. Ganz sicher. Hoffentlich.

Vor dem wöchentlichen Meeting in kompletter Office-Runde kommt kein Flow mehr auf. Die fünf freien Minuten werden mit schnellen Mails gefüllt. Akkreditierungsanfragen. Daten für die Videowalls. Die Westfalenpost braucht noch eine Rückmeldung. Ah, der gelieferte Freisteller wird fix in die Spieltags-Grafik für den zweiten Teil des Wochenendes eingefügt.

Eine Stunde später ist das Meeting zwar durch, dafür nimmt der Aufbau in der Halle erst richtig Fahrt auf. Viele Hände, schnelles Ende. Der Laptop bleibt zugeklappt auf dem Tisch stehen. Was sich als Fehler entpuppt, denn an der „Ische“ verzögern sich gewisse Abläufe. Ein Dienstleister kommt später als geplant – das kann passieren. Wartezeit fällt dennoch nicht an.

Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern. Die Strecke von der Ischelandhalle zurück in die Mittelstraße ist bergab in knapp 20 Minuten zurückgelegt. Der perfekte Rahmen, um spazierend-telefonierend den Dyn-Fahrplan abzustecken. Spieler vorab – check. Geschäftsführer in der Pause – check. Coach im Nachgang – klären wir.

Wieder im Office ist auch fast schon wieder Abgang angesagt. Besagter Dienstleister kommt wohl doch nicht ganz so spät wie ursprünglich befürchtet. Kein Kuss von der Muse, kein weitere Kaffee, keine Mittwochs-Musik. Aber ein letzter Blick ins Postfach ist noch drin. Die Welt dreht sich weiter. Gut zu wissen.

An der Halle ist Teamwork pur angesagt. Getränkekästen und Bierfässer werden durch die Gegen gewuchtet. Kühlschränke befüllt. Die Kollegen von Werbetechnik Sommer sorgen dafür, dass die Trikots der Legenden wieder waagerecht hängen. Sponsorenwände werden beklebt und für den Spieltag vorbereitet. Und irgendwo müsste doch … vielleicht unter der VIP-Tribüne … oder doch im Keller … taucht hoffentlich wieder auf.

Dank des öffentlichen Nahverkehrs und Kopfhörern entstehen diese Zeilen – ohne Heißgetränk, wohlgemerkt – bei leicht ruckelnder Fahrt. Alles für den Club. Die Muse ist nicht mehr aufgetaucht. Ihr Pech. Das nimmt bei all der Umtriebigkeit nicht die Vorfreude auf das, worum es eigentlich geht. Das erste Phoenix-Heimspiel in der BBL seit zehn Jahren. Was das damals für Zeiten waren. Anno 2016. Darum sollte es hier eigentlich gehen. Dafür fehlte jedoch die Zeit. Nicht aber, um mit den letzten Anschlägen auf der Tastatur abermals zu erwähnen, dass Freitagabend nur noch zweimal Schlafen entfernt ist. Das ist die Realität. Wenn um 18:30 Uhr der Hochball in die Luft steigt, wird dies für uns alle ein Moment sein, in dem die Zeit stillzustehen scheint – genau die nehmen wir uns.

Mittwoch(t)

Es gibt so viele Geschichten rund um Phoenix Hagen. Geschichten, die erzählt werden wollen. Die einen etwas anderen Einblick in den Club und die internen (Denk-)Prozesse geben. Aus dem Arbeitstitel „Mittwochs-Meinung“ entwickelte sich der „Statement Wednesday“ oder auch das „Wort zum Mittwoch“, und letztlich der Begriff „Mittwoch(t)“. Es ist der etwas andere Angang an Themen, welche das Phoenix-Office umtreiben.