Mittwoch(t): Der erste Eindruck zählt

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, so will es der Volksmund. Und auch wenn mit der Zeit weitere Informationen hinzukommen, sich das Mosaik konkreter zusammensetzt und ein immer klareres Bild entsteht, so ist und bleibt der erste Eindruck genau das … ein erster Eindruck. Es ist die zunächst ungefilterte Wahrnehmung dessen, was uns präsentiert wird. Wie beim REWE Familientag, an welchem der neuformierte Kader erstmals in der Ischelandhalle auflief. Und begeisterte. Weswegen die folgenden Zeilen, um es wissenschaftlich auszudrücken, auf einer sehr kleinen Datenmenge basieren. Doch genau darin liegt auch der Reiz. Eine ungefilterte Schönheit, die in der reinsten Form der Begeisterung daher kommt.

Ach so, es geht übrigens um die im Sommer verpflichteten Neuzugänge…

#3 – Adam Kunkel

Der Junge weiß, wo der Korb hängt. Das wurde schon bei seiner ersten Ballberührung deutlich, bei der er den Baden direkt aufsetzte und seinen Drive mit einem Floater abschloss. Er strahlt dieses unverschämte Selbstbewusstsein aus, dass nur Scorer mit sich bringen. Diese in sich ruhende Gewissheit, dass er gegen jeden Verteidiger den eigenen Abschluss erzwingen kann, wenn er es unbedingt darauf anlegt. Wenn Kunkel den Ball nach vorn bringt, wirkt es – die Optik spielt dabei eine entscheidende Rolle – als ob sich der uneheliche Bruder von Jason Williams und The Professor nach Deutschland verlaufen hat.

#12 – Tyler Polley

Ein bisschen Europa, ein bisschen G-League. Ein bisschen Inside Game, ein bisschen Ballhandling samt Schuss von außen. Von allen Neuzugängen ist Polley gefühlt am schwersten basketballerisch zu packen. Theoretisch lässt sich mit ihm bei einer unverschämt kleinen Aufstellung als Fünfer gehen, er kann aber auch auf die Drei ausweichen und über jeden Verteidiger hinweg werfen. Die Frage ist, auf welcher Position er sich selbst am wohlsten fühlt? Wo besteht beim Phoenix-Kader der größte Bedarf, den er aufgrund seiner Variabilität decken kann? Und passt beides im Idealfall übereinander?

#25 – Cameron Krutwig

Wer in der spanischen ACB gespielt hat, weiß wie das Spiel funktioniert. In dieser Liga überlebt niemand, der nicht über einen überdurchschnittlichen Basketball-IQ verfügt. Krutwig sieht auf den ersten Blick – lies: auf den ersten Eindruck – nicht aus wie der stereotype Überathlet auf der Fünf, der das Feld rauf und runter sprintet, um nach einem Musterpass durch die Zone zu segeln. Er ist eher derjenige, der auch schonmal selbst den Ball nach vorn bringt und die kleinen Flügel-Flitzer bedient. Der nach einem Handoff nicht automatisch den Ball an den Guard zurückgibt, sondern mit seiner Übersicht die Verteidigung filetiert. Dazu Masse und Präsenz in der Zone. Das alles erinnert an einen ehemaligen „Donnervogel“ – nur als Linkshänder.

#29 – Patricio Garino

Bitte alle einmal kollektiv kneifen. Ein zweifacher Olympiateilnehmer, WM-Silbermedaillengewinner, Euroleague-Akteur, argentinischer Nationalspieler … bei Phoenix?! What a time to be alive. Wenn die Kollegen von Dyn in der kommenden Saison noch eine Kamera übrig haben, sollte diese dauerhaft auf den Gaucho gerichtet sein. Garino bei der Arbeit zuzusehen, ist ein absoluter Hochgenuss. Eine basketballerische Augenweide. Jede seiner Bewegungen ist effizient. Er steht immer genau da, wo er sein muss. Nie zu früh, nie zu spät. Jede getroffene Entscheidung wird mit einer Geschwindigkeit und einer Konsequenz durchgezogen, wie sie ausschließlich von jemandem mit so viel internationaler Erfahrung kommen kann. Das öffnet Räume, bindet Verteidiger, reisst Lücken. Er kennt, er betritt die große Bühne, ohne sich vom grellen Licht der Aufmerksamkeit blenden zu lassen. Diese Ruhe und Abgeklärtheit ist bewundernswert – und sollte als Lehrmaterial für jedes aufwachsende Talent genutzt werden.

#33 – Trenton Gibson

Es ist der Weg, den er bereits gegangen ist. Über Belgien und die Niederlande nach Polen, und nun endlich in der easyCredit BBL. Gibson hat sein spielerisches Profil in den Feuern der soliden Ligen geschmiedet, seine Klinge geschliffen und ist nun bereit, die nächste Kammer zu betreten. Der bullige Körper ist wie gemacht für das deutsche Oberhaus. Der Wurf sieht gut aus, seine Drives kraftvoll. Und wenn das Team es braucht, kann er übernehmen – anders kommen 15 Punkte im letzten Viertel gegen Limburg nicht zustande. Das wird nicht der Regelfall sein. Wohl aber, dass er viele Qualitäten mitbringt, die bei ihm oberhalb des Durchschnitt ausgeprägt sind. 

Mittwoch(t)

Es gibt so viele Geschichten rund um Phoenix Hagen. Geschichten, die erzählt werden wollen. Die einen etwas anderen Einblick in den Club und die internen (Denk-)Prozesse geben. Aus dem Arbeitstitel „Mittwochs-Meinung“ entwickelte sich der „Statement Wednesday“ oder auch das „Wort zum Mittwoch“, und letztlich der Begriff „Mittwoch(t)“. Es ist der etwas andere Angang an Themen, welche das Phoenix-Office umtreiben.