Title: Zum Todestag von Matthias Grothe
Author: Jörg Bähren
Published: 31. Oktober 2025

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# Zum Todestag von Matthias Grothe

 Veröffentlicht am 31. Oktober 202531. Oktober 2025 von [Jörg Bähren](https://www.phoenix-hagen.de/author/joerg-baehren/)

_Im Kragen der aktuellen Phoenix-Jerseys ist sein Credo eingewebt: The Sky Is The
Limit. Das Trikot mit #9 hängt unter der Decke der Ischelandhalle. Als Würdigung,
als Erinnerung, als Hommage an _**_Matthias Grothe_**_, der 2017 viel zu früh von
uns gegangen ist. Dessen Geist und Wirken bis heute nachhallen – weit über die Stadtgrenzen
Hagens hinaus. Dessen vorgelebtes Fairplay, stete Hilfsbereitschaft und ehrliche
Arbeitseinstellung die Basis für den jährlich vom Deutschen Basketball Ausbildungsfonds
e.V. ausgelobten _[_„Matthias Grothe Award“_](https://www.easycredit-bbl.de/nachwuchs/trainerausbildung/matthias-grothe-award)_
ist. Und dem einst das gute alte „Basketball Magazin“ ein Portrait widmete, welches
den Ursprung seines markigen Spitznamens darstellte…_

## Grothzilla

Erinnern wir uns nicht alle noch an die Eröffnungssequenz der Godzilla-Verfilmung
aus dem Jahre 1998? Ein alter Mann liegt in einem Krankenhaus-Bett, die Augen weit
aufgerissen, sein ganzer Körper zittert und schaudert. „Godzilla, Godzilla,…“ stammelt
er. Ein riesiges Ungeheuer ist nach seinem Dornröschenschlaf aufgewacht und zerstört
in der Folge halb Manhattan. Das behäbig wirkende Tier lässt sich nicht aufhalten,
zu schnell, zu ausgefuchst entzieht es sich den Jägern. Wie der Mann im Hospital
mögen sich oftmals die Gegenspieler des Matthias Grothe fühlen, wenn dieser nach
vierzig Minuten einmal mehr bewiesen hat, dass es nicht zwingend einen Adoniskörper
braucht, um erfolgreich Basketball zu spielen.

Wer Matthias Grothe das erste Mal beim Betreten der Halle erblickt, mag denken, 
der Busfahrer des Tus Poco Iserlohn habe sich verlaufen. Weit gefehlt, auch wenn
der 25-jährige Grothe nicht wirklich wie eine Sportskanone aussieht, ist er definitiv
einer der besten Spieler der 2. Bundesliga Nord. Ausgestattet mit der Statur eines
Lumberjacks, weiß der Zwei-Meter-Mann seine Masse geschickt einzusetzen. Seine Motivation
und ein schier unbändiger Einsatzwille bescherten ihm zwischen 1997 und 2002 einen
Platz bei Brandt Hagen. Aber mehr als eine knappe Viertelstunde Einsatzzeit und 
durchschnittlich drei Punkte waren nicht drin. In seiner vorletzten Saison für Brandt
zeigte er in der Relegation mit acht Zählern pro Partie, welch Potenzial in ihm 
steckt.

Noch ein Jahr verbrachte Grothe mehr auf der Bank als spielend in Hagen und saß 
sich den Hintern platt. Vor der letzten Saison kam der Wechsel nach Iserlohn. Eine
Entscheidung, die sich für Grothe und seinen Verein nachhaltig rentieren sollte.
Unter der Führung von Coach Paris Konstantinidis konnte Grothe endlich zeigen, wozu
er imstande ist. Von den meisten Mannschaften schlichtweg unterschätzt, hatte er
plötzlich viel Raum, um sich zu entfalten. Raum, den er mit 22,6 PpS ausfüllte. 
Ein neuer Star war geboren. Star? Wohl eher Antistar, wird Grothe mit seinem doch
unkonventionellen Stil in den Zweitligahallen meist mehr gehasst denn geliebt. Ruppiges
Verhalten unter dem Korb kommt ihm entgegen, da fühlt er sich wohl. Aber auch aus
der Mitteldistanz stellt er eine Gefahr dar. Kein leichtes Los für die Verteidigung,
die sich in der laufenden Saison noch mehr um „BigMac“ kümmern muss. Nach dem Weggang
von Chris Rojik und Oliver Herkelmann liegt die Last der Verantwortung fast allein
auf Grothes Schultern. Erst kurz vor Saisonbeginn konnte mit dem Amerikaner David
Capers für ein wenig Entlastung gesorgt werden.

Natürlich sind die Verteidiger dieses Jahr besser auf ihn eingestimmt und beschatten
jede seiner Bewegungen genau. Dennoch verbucht der Vater einer 15-monatigen Tochter
regelmäßig fast 30 Zähler auf seinem Konto – auch in Assists (3,8) und Rebounds (
9,3) ist er Teambester. Das Verwunderliche an der ganzen Sache ist, dass in Iserlohn
derzeit kaum ein Gedanke an professionelles Training verschwendet wird. „Wir haben
nur einen Vollprofi im Team, viele Spieler haben bereits acht oder neun Stunden 
gearbeitet, wenn sie abends in der Hale auflaufen“, so Poco-Coach Konstantinidis.
Von daher sei derzeit an ein anderes Ziel als den Klassenerhalt gar nicht zu denken.

In einer solchen Situation ist es ein großer Bonus „einen Spieler wie Matthias zu
haben“. Konstantinidis weiter: „Er stammt aus dem hervorragenden 78er-Jahrgang, 
wurde während der Jahre in Hagen aber leider nicht weiter gefördert.“ Jahrgang 1978,
auch Dirk Nowitzkis Klasse. Beide spielten sechs Jahre zusammen in der Junioren-
Nationalmannschaft „Bis zur U22 waren wir bei den ganzen Lehrgängen und Turnieren“,
erinnert sich Grothe. Ob er je wieder in die BBL zurückkehrt, kann er nicht klar
sagen. Schließlich habe er neben Basketball noch Familie, und auch seine Firma TCT
Granit verschlingt viel Zeit.

„Er ist ein großartiger Allrounder“, weiß Chris Rojik. „Er macht all die Dinge, 
die dem Team helfen.“ Und auch in der BBL würde er ihm einiges zutrauen. Grothe 
sei für den sehr geringen Trainingsaufwand „in sehr guter Verfassung.“ Bei der derzeitigen
Lage der Dinge ist an ein Engagement in Kreisen der BBL kaum zu denken. Grothe war
schon immer ein Fan des amerikanisch geprägten Basketballs, würde nur unter der 
Garantie auf zehn bis 20 Minuten Spielzeit in die Liga zurückkehren – natürlich 
nur nach Absprache mit seiner Frau. Und so hat der Familienvater eine Menge Spaß
auf dem Parkett, sonst würde er sich dieser Zusatzbelastung nicht aussetzen.

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