Geschäftsführer Patrick Seidel im Interview: "Wir haben einen ganz klaren Plan"

Keine Frage: Diese Offseason bietet bei Phoenix eine Menge Neuigkeiten. Phoenix-Geschäftsführer Patrick Seidel zieht im Interview eine Bilanz der vergangenen Saison, blickt nach vorne und bezieht auch Stellung zu aktuellen Personalien.

Patrick, lass uns zunächst auf die vergangenen Monate schauen: Wenn du auf die "Corona-Saison“ zurückblickst - welche Momente wirst du in Erinnerung behalten, sowohl positiv als auch negativ?

Patrick Seidel: Positiv hängen geblieben ist auf jeden Fall die tolle moralische Unterstützung der Fans, die im Alltag, aber auch an den Monitoren immer da war – genauso wie von den Sponsoren. Es war bemerkenswert, dass sich jeder Sponsor trotz teils eigener unsicherer Lage gestreckt hat, um dem Hagener Basketball treu zu bleiben. Das war überragend. Negativ ist natürlich hängengeblieben, dass wir zu keiner Zeit in die Situation gekommen sind, eine reguläre Saison zu spielen. Die erste Quarantänephase nach dem Spiel in Leverkusen kann man vernachlässigen. Da hatten wir nur einen infizierten Spieler und waren uns sicher, dass uns so etwas nicht umwirft und das bis Ende der Saison korrigieren können. Man muss zwischen Quarantäne und Infektion klar differenzieren. Anders war es nach der zweiten Quarantäne, als dann die ganze Mannschaft betroffen und uns klar war, dass wir das tabellarisch kaum kitten können. So ist es dann ja auch gekommen. Plötzlich steckten wir tief im Tabellenkeller und es hat bis in den Februar gedauert, bis die Mannschaft ins Rollen kam und mehrere Siege eingefahren hat. Aber natürlich gab es auch gute Momente – wie überragende Blow-Out-Siege gegen Trier und Leverkusen oder das sehr knappe und kampfbetonte Spiel gegen Kirchheim. Also: Wir gehen mit gemischten Gefühlen aus dieser Saison und freuen uns, wenn die nächste hoffentlich unter normalen Bedingungen stattfinden kann.

Mit dem (vorzeitigen) Ende der Saison schien aber nicht wirklich so etwas wie Offseason-Ruhe einzukehren. Im Umfeld des Teams gibt es einen Umbruch. Einige langjährige Wegbegleiter werden Phoenix verlassen. So kam die Trennung von Co-Trainer Alex Nolte für viele Fans nicht nur überraschend, sondern führte zu teils massiver Kritik. Würdest du rückblickend sagen, dass man diese Personalie in ihrer Außenwirkung unterschätzt hat?

Patrick Seidel: Vorweg möchte ich festhalten, dass wir seit Anfang Februar in den Gremien – also mit Gesellschaftern und Aufsichtsrat – einen so engen und zeitnahen Austausch haben wie noch nie in den viereinhalb Jahren, in denen ich nun hier bin. Da wurde natürlich das eine oder andere frühzeitig besprochen, sodass die Gremien darauf vorbereitet waren, dass die Offseason keineswegs ruhig verlaufen wird. Ganz klar: Wir haben die Außenwirkung der Personalie Alex Nolte in keiner Weise unterschätzt. Uns war vollkommen klar, dass es immer eine besondere Außenwirkung haben wird, wenn wir uns irgendwann mal von einem Jungen vom Heuboden trennen, der es bis zum Co-Trainer im Profibereich geschafft hat. Es gibt dafür einfach keinen perfekten Zeitpunkt, sodass wir die Offseason ganz bewusst genutzt haben, um uns in Ruhe auf die Folgesaison vorbereiten zu können.

Bei dieser Personalie wird es aber nicht bleiben. Der ehemalige Teammanager Hans-Uwe Schröer, ein weiteres Hagener Urgestein, hat in einem Interview gesagt, dass er aufgrund inhaltlicher Differenzen und unterschiedlicher Auffassungen sein Engagement einstellt. Was hast du gedacht, als du das gelesen hast - und um was ging es konkret?

Patrick Seidel: Zunächst stellt sich diese Personalie grundlegend anders dar als bei Alex Nolte. Ich war ein Stück weit überrascht über den sehr einseitigen Bericht in der Westfalenpost. Ich wurde dazu gar nicht befragt, was ein gewisses Geschmäckle hat. Die Aussagen über inhaltliche Differenzen und unterschiedliche Auffassungen kann ich absolut unterstreichen. Ich will aber betonen, dass ich derjenige war, der den Telefonhörer in die Hand genommen und die Trennung für den Profibereich aktiv eingeleitet hat. Daher kann man nur bedingt von einem Rücktritt reden. Warum Hans-Uwe Schröer aus dem Vorstand des Phoenix Hagen e.V. mit der gleichen Begründung zurücktritt, erschließt sich mir nicht. Ich glaube eher, dass diesem Rücktritt eine falsche Interpretation der Aufgaben im e.V.-Vorstand zugrunde liegt. Es ist eben nicht die Aufgabe des Jugendvorstands, im operativen Geschäft vehement Einfluss auf den Alltag der Profimannschaft nehmen zu wollen. Deshalb kann ich den Rückzug aus dem e.V. - Bereich inhaltlich nicht nachvollziehen, aus der Emotion heraus bewerte ich diesen Schritt als konsequent. Auf meinen eigenen Wunsch hin war ich zu keinem Zeitpunkt der Geschäftsführer im e.V., so dass der operative Alltag auch autark aufgebaut wurde.

Wird es weitere Veränderungen im Team-Umfeld geben?

Patrick Seidel: Das eine oder andere Gerücht waberte ja schon durch die Medien. Richtig ist, dass wir uns von unserem Physiotherapeuten David Lopez trennen möchten. Wir befinden uns dazu noch in gemeinsamen Gesprächen. Deshalb kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu diesem Thema sagen. Uns ist vollkommen bewusst, das personelle Änderungen im Bereich von Helfern oder Dienstleistern, die seit Jahren im Umfeld des Teams dabei sind, teils heftige Emotionen hervorrufen. Wie gesagt, wir wollten diese Offseason ganz bewusst nutzen, um Veränderungen vorzunehmen. Diese Personalie gehört dazu.

Schauen wir auf den Nachwuchs. Auch hier gab es in jüngster Zeit einige Turbulenzen: Der Vertrag mit JBBL-Coach Vid Zarkovic wurde nicht verlängert, was angesichts seiner sportlichen Erfolge in den vergangenen Jahren viele verwundert - und auch im Umfeld der Mannschaft für großes Unverständnis sorgte. Wie kam es zu dieser Entscheidung - und warum?

Patrick Seidel: Das war sicher das sensibelste Paket, das wir anpacken mussten. Vid Zarkovic hat gemeinsam mit Tome Zdravevski in den letzten beiden Jahren hervorragende Ergebnisse abgeliefert. Es gibt aber zwei Seiten, die für uns zum Tragen kommen: Zum einen will Phoenix Hagen im Bereich JBBL eine andere Philosophie und Herangehensweise in der Nachwuchsförderung leben. Zum anderen kam dann noch das Thema BBA Hagen hinzu, wo sich gewisse Themen überschneiden und zugehörige Schnittstellen eine Rolle spielen. Für uns war klar, dass die Personalie des JBBL-Coaches unmittelbaren Einfluss darauf gehabt hätte, wer Co-Trainer im ProA-Bereich wird. Diese Verknüpfung wäre in der Praxis sehr schwer umzusetzen gewesen. Beide Punkte führten dazu, dass wir diese harte und sehr schwere Entscheidung getroffen haben. Aber es ist eine Entscheidung, hinter der wir weiter stehen.

Wie steht es um einen Nachfolger für den Co-Trainer-Posten in der ProA und den neuen JBBL-Headcoach?

Patrick Seidel: Wir hatten für die Position des ProA-Assistant-Coaches und des hauptamtlichen Jugendtrainers zwei Wunschkandidaten. Wir stehen kurz davor, mit einem dieser Wunschkandidaten einig zu werden. Wir gehen davon aus, dass wir bis Mitte nächster Woche einen Nachfolger präsentieren können und das Thema insgesamt hochwertig gelöst haben.

Ein kurzes Wort zur geplanten Basketball Akademie Hagen: Wie bewertest du die Kooperation zwischen BG Hagen und der SG VfK Boele-Kabel?

Patrick Seidel: Wir sind vor etwa sechs Wochen erstmals auf das Thema angesprochen worden. BG und Boele-Kabel haben uns damals gemeinsam inhaltlich und im zweiten Schritt personell das BBA-Konzept vorgestellt. Die Grundidee finde ich gut. Dass man die Kräfte in der Basketball-Community Hagens bündeln möchte, ist richtig. Verwundert haben wir als Phoenix Hagen aber wahrgenommen, dass andere Vereine aus Hagen, die auch ihre Berechtigung und Tradition haben, in die ersten Gespräche nicht involviert worden sind. Außerdem können wir bis heute nicht nachvollziehen, warum wir uns nach einem ersten Gespräch innerhalb von drei Wochen sofort festlegen sollten, ob wir dabei sind oder nicht. Es wurde darüber hinaus bereits im ersten Gespräch signalisiert, dass BG und Boele-Kabel das Projekt ohnehin realisieren würden – ob nun mit oder ohne Phoenix Hagen.

Aber warum spielt Phoenix in diesem Konstrukt bislang keine Rolle?

Patrick Seidel: Im Laufe der Gespräche kamen sehr viele Überschneidungspunkte zur Sprache, die die Sache sehr komplex gemacht haben. Es hätte zum einen Entscheidungen geben müssen, mit denen einige Kooperationspartner von Phoenix nicht glücklich wären. Umgekehrt hätten Entscheidungen unserer Kooperationspartner Einfluss auf den Profibereich von Phoenix Hagen gehabt, sowohl personell als auch final finanziell. Um zusammenzukommen, ist eine ganze Menge Arbeit nötig. Wenn man so etwas personenunabhängig und nachhaltig aufbauen will, wäre es aus unserer Sicht wünschenswert gewesen, aus allen Hagener Vereinen eine Arbeitsgruppe zu bilden, in den nächsten sechs Monate Inhalte zu Papier zu bringen und die dann im Anschluss von Anwälten prüfen zu lassen. Denn es soll ja auch eine neue Gesellschaft gegründet werden. So etwas kann man einfach nicht in drei, vier Wochen übers Knie brechen. So ein großes Projekt braucht Anlauf- und Bearbeitungszeit. Deshalb spielt Phoenix in dieser Konstellation erst einmal keine Rolle – wie das später aussieht, muss man sehen. Natürlich wird es auch für uns schwierig, wenn BG und Boele eigene JBBL- und NBBL-Mannschaften ankündigen. Warten wir diese Entwicklung mal ab. Aber ich will betonen, dass auf keinen Fall irgendein Riss zwischen den Vereinen entstanden ist. Aus BG- und Boele-Sicht macht diese Kooperation sicher Sinn – für uns aber noch nicht. Wenn man über den Tellerrand der aktuellen JBBL Thematik hinaus guckt haben Stanley Witt und Michael Wasielewski in den letzten zwei Jahren hervorragende Aufbauarbeit für Phoenix Hagen e.V. geleistet. Das nächste Großprojekt steht bereits in der Pipeline und steht für eine starke Weiterentwicklung. Beide genießen daher unser vollstes Vertrauen. Wir können uns sehr glücklich schätzen, sie in unserem Team zu haben.

Noch mal zurück in die ProA: Wie ist der Stand in Sachen Neuverpflichtungen?

Patrick Seidel: Es mag gerade so wirken, als würden die Negativmeldungen die Positivnachrichten in den Schatten stellen. Aber wir haben für diese Offseason einen ganz klaren Plan, lassen uns nicht aus der Ruhe bringen. Nachdem wir die genannten Personalien geklärt haben, werden wir uns ausschließlich darauf fokussieren, eine erfolgreiche ProA-Mannschaft auf die Beine zu stellen, die gleich vom ersten Spieltag an siegfähig sein wird. Sehr zeitnah werden wir die erste Vertragsverlängerung bekanntgeben können. Und wir haben auch die Aussicht, dass in den nächsten Wochen weitere folgen werden. Natürlich liegt unser Fokus weiter bei den deutschen Spielern, bevor wir uns um mögliche US-Importe kümmern. Mit den Spielern der Vorsaison stehen wir weiter in engem Kontakt, etwa mit Karrington Ward, der nach drei Spielen Anlaufzeit vollends überzeugen konnte.

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