Title: Mittwoch(t): Plötzlich ist alles anders
Author: Jörg Bähren
Published: 18. September 2024

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# Mittwoch(t): Plötzlich ist alles anders

 Veröffentlicht am 18. September 2024 von [Jörg Bähren](https://www.phoenix-hagen.de/author/joerg-baehren/)

Es muss irgendwann zwischen 2007 und 2009 gewesen sein. YouTube steckte noch in 
den Kinderschuhen und galt als große Spielwiese all derer, die sich gern in Bild
und Ton ausdrücken wollten, bisher allerdings nie eine geeignete Plattform dafür
hatten. Myspace war zuvor zu nerdy, Facebook zu textlastig. Genau in diesem Zeitraum
also tauchten erstmals Videos von und zu Bodo Wartke auf. Ein absoluter Zufallsfund.
Ein schöner noch dazu. Wie genau der Weg hin zu den [„Songs an einem Sommerabend“](https://www.youtube.com/watch?v=-XOfharodts&list=PL1E7HOHl2pBBYstmqUK0PBW19Y2xydork)
damals verlaufen ist – keine Ahnung. Das ist auch nebensächlich, denn es zählt lediglich
die Tatsache, dass der Wortwitz und die musikalische Finesse des Liedermachers etwas
auslöste. Etwas abfütterte, das dazu führte, das Netz weiter nach ihm zu durchforsten.

Vom Lurch, der irgendwo durch muss, bis hin zum Liebeslied in allen Sprachen dieser
Welt. Von Dahingeflossenen bis zum Hambacher Wald. Die Zeit floss dahin – in Stunden,
Tagen, Jahren – doch das Bodoversum blieb ein treuer Begleiter. Mal mehr, mal weniger,
aber immer sehr geschätzt und inspirierend in seinen künstlerischen Auswuchungen.
Irgendwo im Regal steht noch der limitierte DVD-Schuber zu „König Ödipus – Klavierkabarett
im Rheimkultur“.

Und plötzlich, im Alltag einer Saison gefangen, findet sich ganz beiläufig im Postfach
der Link zu einem Video wieder, in welchem zwei Australierinnen fröhlich tanzen.„
Schau mal, gerade gefunden … der Knaller“, so der Zusatz in der Mail. Ein von Neugierde
getriebener Klick, ein neues Browser-Fenster, zwei hochgezogene Augenbrauen. Der
vermeintlich nur im eigenen kleinen Kosmos existente und geschätzte Künstler hat
schlagartig Weltruhm erlangt. Social Media macht’s möglich. Und die Tatsache, dass
das Werk an sich ausgefeilt, witzig, toll komponiert (hier sei Marti Fischer ausdrücklich
erwähnt) ist und schlichtweg zur rechten Zeit den richtigen Nerv getroffen zu haben
scheint.

Oder hat sich hier Qualität – über die an dieser Stelle keinerlei Diskussion geduldet
wird – einfach ihren Weg gebahnt und durchgesetzt?!

Was das jetzt mit Basketball zu tun hat? Vordergründig vielleicht nicht viel. Und
doch sind Parallelen vorhanden, die bei der Betrachtung unserer Weltmeister-Generation
offensichtlicher werden. Im großartigen Podcast „Hotel Matze“ ist die Rede davon,
dass Wartke lange Jahre zu der Sorte Künstler gehörte, der sich sein Publikum über
persönliche Empfehlungen erschlossen hat. So wie bei Talenten, die sich abseits 
des Rampenlichts entwickeln, die Karriereleiter langsam emporklimmen, sich innerhalb
der basketballerischen Nische etablieren.

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[„Bodo Wartke über seinen neuen Ruhm und das Ablegen von Mustern“ direkt öffnen](https://www.youtube.com/watch?v=ba5DYQIf3xc)

In den frühen 2010er Jahren gab es in der „FIVE“ eine Serie über junge Deutsche,
fein säuberlich sortiert nach den fünf klassischen Positionen. Der Ansatz: Hier 
wird ein Blick auf die Zukunft auf die Generation geworfen, die nach dem großen 
Blonden die Flagge hochhalten wollte – der Wortwitz ist bewusst gewählt. Umso spannender
allerdings, dass Dennis Schröder in dieser Auflistung nicht auftauchte, um ihm auf
Empfehlung der Juniorennationaltrainer so lange wie möglich aus der medialen Schusslinie
zu nehmen. So gehörte der amtierende WM-MVP zu genau der Sorte Talent, das nur denjenigen
auffiel, die sich in muffigen NBBL- oder Zweitliga-Hallen rumtrieben.

Wer sich auch nur ein bisschen mit dem Nachwuchs beschäftigt, der kennt die zwölf
Weltmeister seit einer gefühlten Ewigkeit. Alles relativ betrachtet – sowohl die
zeitliche als auch die persönliche Komponente. Davon unbeachtet entsteht eine Beziehung
zu einem Spieler, den auf einen Schlag alle kennen. Den jeder für sich beansprucht.
Den viele zu kennen meinen. Wegen nur eines großen Turniers, bei dem sportlich alles
zusammenkommt.

Was soll das? Diese viel zu kurz gefasste Meinung, dieses unvollständige Bild wird
ihm nicht gerecht. Überdeckt ob der Tragweite des Erfolgs allerdings alles, was 
vorher war. Stellt den Prozess, der all dem voranging, in den Schatten. Unfair im
Abgleich mit der eigenen Wahrnehmung. Und doch verständlich, da nicht alle diese
langfristige, diese langlebige Betrachtungsweise mitbringen können. Der Kniff ist,
dem Impuls der Verwunderung und der Ärgernis zu widerstehen, und sich stattdessen
darüber zu freuen, dass nun viele Weitere ebenfalls mit wachen Augen betrachten,
was hier vor sich geht. Und das ist völlig in Ordnung.

Der Rhabarber ist im Hier und Jetzt. Weswegen der Lurch, der im Winter in den Süden
fliegt, nicht ein bisschen an seinem Zauber oder Wert verliert.

![Mittwocht 16zu9 01](https://www.phoenix-hagen.de/wp-content/uploads/sites/8364/
2024/07/Mittwocht_16zu9_01.jpg)

**Mittwoch(t)**

Es gibt so viele Geschichte rund um Phoenix Hagen. Geschichten, die erzählt werden
wollen. Die einen etwas anderen Einblick in den Club und die internen (Denk-)Prozesse
geben. Aus dem Arbeitstitel „Mittwochs-Meinung“ entwickelte sich der „Statement 
Wednesday“ oder auch das „Wort zum Mittwoch“, und letztlich der Begriff „Mittwoch(
t)“. Es ist der etwas andere Angang an Themen, welche das Phoenix-Office umtreiben.

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