Title: Mittwoch(t): Der Baum ist auch ein Statement
Author: Jörg Bähren
Published: 29. April 2026

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# Mittwoch(t): Der Baum ist auch ein Statement

 Veröffentlicht am 29. April 2026 von [Jörg Bähren](https://www.phoenix-hagen.de/author/joerg-baehren/)

Wochenlang gibt es kein anderes Thema. Pläne werden geschmiedet. Routen festgelegt.
Abgeklärt, wer einen Transporter oder zumindest Kombi besorgen kann. Und Seile. 
Alternativ gehen auch Kabelbinder – mit denen geht das eh alles viel schneller. 
Dazu ein Kasten Bier, ein Sixpack Wasser und Fanta für den Fahrer. Essbares wird
irgendwann zwischendurch bei der Gaststätte zum güldenen M eingeworfen. Im wahrsten
Sinne des Wortes. Es wird die Startzeit festgelegt, wer wen vorher einsammelt, und
bis wann alles über die Bühne sein soll.

Wenn soweit alles geklärt ist, will noch die Umgebung gescoutet werden. So viel 
ist von der Lage des Objekts und der Beschaffenheit der Fassade abhängig. Wie weit
ist es bis zum Wald? Taugen die Straßen was? Wie hoch ist die Chance, beim Transport
vom Freund und Helfer erwischt zu werden? Und lässt sich darauf vertrauen, dass 
eine ordentliche Ladungssicherung in dieser Nacht ausreicht, um nett durchgewinkt
zu werden?

Es gibt viel zu bedenken und zu berücksichtigen. Vieles, das schief laufen kann.
Und immer schwingt die Angst mit, dass sich dieser eine längst in den Norden abgesetzte
Kumpel, mit dem du in der Jugend zusammen gespielt hast, kurzfristig meldet. Dass
er ein Mädel kennengelernt hat und da jetzt unbedingt tätig werden muss. Guter Typ,
aber leider kein gutes Händchen bei seinen Auserwählten. Das war schon immer so.
Jahr für Jahr mag alles noch so rund gelaufen sein, doch bei ihm gab es immer Hindernisse
oder Unwägbarkeiten zu überwinden.

So auch diesmal. Irgendwer geht in einem unbedarften Moment ans Telefon. Und weil
Freunde nunmal Freunde sind, wird ihm wieder mal geholfen. Das machen Kerle so. 
Er versichert hoch und heilig, dass diesmal alles sauber läuft. Sie ist total in
ihn verschossen, das Elternhaus liegt direkt an der Straße, die durch ein Waldstück
führt. Und genau da, maximal einen Kilometer entfernt, stehen haufenweise Birken,
die nur darauf warten geschlagen zu werden.

Die Mainacht kommt. Alles läuft wie am Schnürchen. Bis es darum geht, für den Baum
des besagten Kumpels zu fällen. Ob er vergessen hatte zu erwähnen, dass der Hain
hinter einem Morast liegt, der durchwatet werden muss? Geschenkt, aber es hätte 
allen Beteiligten ein Zeichen sein müssen. Der Baum: Ein wahres Prachtstück von 
Birke. Gerade gewachsen, keine unnötigen Verästelungen, und die Krone üppig. Also
runter mit dem guten Stück, ab auf die Schulter, durch den Sumpf zurück an die Straße
und ab zum Ziel.

Vor Ort kurze Lagebesprechung, wo genau der Baum hingestellt, angelehnt und befestigt
wird. Ein Dutzend Jungs, die mitten in der Nacht im Laternenschein darüber diskutieren,
wie das satte Grün am besten zur Geltung kommt. Da geht die Tür auf. „Da steht Britney
Spears“, entfährt en einem. In der Tat. Die frühen Zweitausender haben am blonden
Haupthaar der Angehimmelten ihre modischen Spuren hinterlassen. Und sie? Sieht den
auf der Straße liegenden Baum und eine Horde Typen. „Das ist ja nett, aber ich möchte
gar keinen Baum!“, entfährt ihr, ehe sie nach innen hastet und die Tür hinter sich
schließt.

Allgemeine Verwirrung. Kurze Ernüchterung. Ein strafender Blick zum Kumpel. Total
in ihn verschossen, is’ klar. Er ist dafür, die Birke auf dem naheliegenden Parkplatz
zu entsorgen. Das ist aber keine Option. Sie mag zwar nur ihm das Herz gebrochen
haben, aber die gesamte Truppe hart abblitzen lassen. Ab sofort ist es etwas persönliches.
Jetzt erst recht, Fräulein. Ein Schluck aus der Pulle, einmal tief durchatmen, dann
wird zu Werke gegangen. Das Ding wird aufgestellt, ob sie will oder nicht. Soll 
sie doch zusehen, wie sie das Prunkstück am Ende des Monats wieder weg bekommt.

Ein Maibaum ist auch immer ein Statement. Eine Ansage, ungeachtet der äußeren Umstände
oder was andere davon halten. Es geht darum, der eigenen Überzeugung klar Ausdruck
zu verleihen. Individuelle Haltung, getragen von der Gruppe. Hier wird ein Zeichen
gesetzt, dass weithin sichtbar ist und beim Betrachter für anerkennendes Nasenrümpfen
sorgt.

Wie eine Mannschaft, die in fremder Halle mit purer, unerschütterlicher Selbstsicherheit
auftritt und das gegnerische Terrain für sich beansprucht. Völlig egal, ob Britney
das nun gut findet oder nicht.

**Mittwoch(t)**

Es gibt so viele Geschichten rund um Phoenix Hagen. Geschichten, die erzählt werden
wollen. Die einen etwas anderen Einblick in den Club und die internen (Denk-)Prozesse
geben. Aus dem Arbeitstitel „Mittwochs-Meinung“ entwickelte sich der „Statement 
Wednesday“ oder auch das „Wort zum Mittwoch“, und letztlich der Begriff „Mittwoch(
t)“. Es ist der etwas andere Angang an Themen, welche das Phoenix-Office umtreiben.

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